Das Niedrigstenergiehaus
Durch die Wohnbauförderung wurde in Oberösterreich die Kategorie des Niedrigstenergiehaus eingeführt. Von einem Niedrigstenergiehaus spricht man in diesem Zusammenhang, wenn eine Nutzheiz-Energiekennzahl (NEZ) von höchstens 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²,a) erreicht wird. Die Vorteile eines Niedrigstenergiehauses sind u.a. ein höherer Wohnkomfort, geringere Energiekosten und eine erhöhte Wohnbauförderung.
Inhaltsverzeichnis
Wie wird ein Gebäude zum Niedriegstenergiehaus?
- Die Energiekennzahl (NEZ)
- Sehr gute Wärmedämmung
Richtwerte für den Bau eines Niedrigstenergiehauses
Worauf muss ich beim Bau eines Niedrigstenergiehauses besonders achten?
- Kontrollierte Wohnraumlüftung
- Luftdichtheit
- Luftdichtheitstest
- Wärmebrücken
Warum lohnt es sich, eine Niedrigstenergiehaus zu bauen?
- Höherer Wohnkomfort
- Geringere Energiekosten fürs Heizen
- Erhöhte Wohnbauförderung
Wie wird ein Gebäude zum Niedriegstenergiehaus?
- Die Energiekennzahl (NEZ)
Dokumentiert wird das Niedrigstenergiehaus durch das Erreichen einer Nutzheiz-Energiekennzahl von höchstens 30 kWh/m²,a. Diese Kennzahl gibt den jährlichen Heizenergiebedarf pro Quadratmeter an und ist ein Maß für die "Energiequalität" des Hauses. Erreicht werden kann sie durch eine gute Planung, die neben einer kompakten Bauweise auch die Nutzung der solaren Gewinne durch eine Südorientierung der Fensterflächen berücksichtigt. Voraussetzung ist weiters eine sehr gute Wärmedämmung der Gebäudehülle und im Regelfall eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung zur Verringerung der Lüftungswärmeverluste. Weiters sollte auf die Vermeidung von Wärmebrücken bei sämtlichen Bauteilanschlüssen und Bauteilübergängen geachtet werden.
- Sehr gute Wärmedämmung
Gute Dämmeigenschaften der Bauteile (niedrige U-Werte) senken den Energiebedarf. Gute Wärmedämmung heißt z.B. 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung bei den Fenstern (U-Werte des gesamten Fensters von 1,0 bis 0,8 W/m²K), Dämmung der obersten Geschoßdecke mit mindestens 30 cm und der Kellerdecke mit mind. 16 - 20 cm Wärmedämmung. Bei den Außenwänden bedeutet gute Wärmedämmung z.B: ein 50 cm hochporosierter Hochlochziegel, ein 25 bzw. 30 cm Hochlochziegel mit 16 - 20 cm Dämmung oder eine Holzriegelwand mit 25 - 30 cm Dämmung.
Richtwerte für den Bau eines Niedrigstenergiehauses
U-Werte (W/m2K) | Richtwerte Niedriegstenergiehaus |
|---|---|
Fenster | 1,0 |
Außenwand | 0,16 |
Oberste Geschoßdecke | 0,12 |
Kellerdecke | 0,20 |
Worauf muss ich beim Bau eines Niedrigstenergiehauses besonders achten?
- Kontrollierte Wohnraumlüftung:
Voraussetzung für das Erreichen eines Niedrigstenergiestandards ist in der Regel der Einsatz einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Dabei wird die zugeführte Luftmenge genau dem hygienischen Frischluftbedarf angepasst. Zusätzlich kann die in der Abluft enthaltene Wärme zur Vorerwärmung der Zuluft genutzt werden. Mit der Lüftungsanlage können bis zu 90 % der in der Abluft enthaltenen Energie zurückgewonnen werden. Bei richtiger Planung und Benutzung können in einem Durchschnittshaushalt 2.000 - 3.000 kWh Energie pro Jahr eingespart werden, Voraussetzung ist eine luftdichte Gebäudehülle. Gute Anlagen benötigen im Gegenzug max. 300 kWh Strom jährlich für den Betrieb.
- Luftdichtheit:
Ein wichtiges Kriterium bei der Umsetzung eines Niedrigstenergiehauses ist eine luftdichte Gebäudehülle. Sie sorgt dafür, dass Bauteile nicht übermäßig auskühlen, Bauschäden sowie Schimmelbildung vermieden werden und keine unkontrollierten Lüftungsverluste auftreten.
Typische Leckagen bei Gebäuden, denen besonderes Augenmerk geschenkt werden sollte, sind u.a:
1: Tür zwischen beheiztem Kellerflur und unbeheiztem Kellerraum
2: Anschluss der Kellerdecke an die Außenwand
3: Durchführung der Sanitärleitung durch die Decke über kaltem Keller
4: Durchführung der Kellerdecke durch die Innenwand
5: Anschlüsse der Außentür
6: Fenster- und Fensterbankanschlüsse
7: Übergang der Außenwand zur Luftdichtungsebene des Schrägdaches
8: Durchführung der Sanitärleitung
9: Anschlüsse der Luftdichtungsebene an die Drempelabmauerung
10: Anschluss des Dachflächenfensters
11: Anschluss der Bodenluke
12: Anschluss der Luftdichtungsebene an die Giebelmauer
13: Schornsteindurchführung
- Luftdichtheitstest
Idealerweise wird die Gebäudedichtheit durch einen Luftdichtheitstest nachgewiesen. Dabei wird ein Gebläse in einer Öffnung angebracht und der Luftvolumenstrom bei Über- und Unterdruck bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal bestimmt. Der stündliche Luftwechsel durch Gebäudeundichtheiten wird auf das Raumvolumen bezogen. Dieser "nL50-Wert" stellt einen Qualitätsnachweis über die Dichtheit der Gebäudehülle dar. Für Gebäude mit einer mechanischen Belüftung ist gem. Oö. Bautechnikverordnung ein nL50-Wert von maximal 1,5 pro Stunde (= 1,5-facher Leck-Luftwechsel pro Stunde) gefordert, idealerweise liegt der Wert unter 1,0 pro Stunde.
Bei der Luftdichtheitsmessung sollten folgende Messrichtlinien beachtet werden: Die Messung sollte in der kleinstmöglichen Öffnung und erst nach Montage von hülldurchdringenden und - berührenden Installationen (Elektriker, Installateur, Lüftungstechniker) erfolgen. Die Haustüre muss bereits eingebaut sein und es sollen keine provisorischen Abdichtungen (ausgenommen Kanal- und Lüftungsrohre) vorgenommen werden.
- Wärmebrücken
Wärmebrücken sind Schwachstellen des Gebäudes, bei denen an örtlich begrenzten Stellen mehr Wärme verloren geht als durch andere, gut gedämmte Flächen. Beim Bau eines Niedrigstenergiehauses ist es wichtig, Wärmebrücken zu minimieren. Diese treten typischerweise v.a. an folgenden Bauteilübergängen auf:
- Fensteranbindung (Laibung, Sturz, Fensterbrett, Rollladenkasten)
- Anbindung der Kellerdecke an den Keller (Kellerwände)
- Anbindung der Außen- und Innenwände an die Kellerdecke / Fundamentplatte
- Anbindung Außenwände an die Dachkonstruktion.
Warum lohnt es sich, ein Niedrigstenergiehaus zu bauen?
- Höherer Wohnkomfort
Ein behagliches Raumklima durch eine sehr gute Wärmedämmung und eine luftdichte Gebäudehülle erhöhen wesentlich den Wohnkomfort. Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt durch richtig dosierte Frischluft für ein angenehmes Raumklima, man fühlt sich rundum wohl.
- Geringere Energiekosten für's Heizen
Die Energiekennzahl von max. 30 kWh/m² und Jahr bedeutet eine wesentliche Energieeinsparung und halbiert die Heizkosten gegenüber herkömmlichen Neubauten.
- Erhöhte Wohnbauförderung
Niedrigstenergiehäuser werden vom Land OÖ besonders gefördert. Im Rahmen der Wohnbauförderung NEU erhalten Sie bei der Errichtung von Eigenheimen (Eigenheimen als Teil einer Gesamtanlage/Reihenhäuser und bei sonstigen Eigenheimen) ein gefördertes Hypothekardarlehen von 54.000 € (plus Zuschläge für Kinder, barrierefreies Bauen und Reihenhaus).
Nähere Informationen:
O.Ö. Energiesparverband, Landstraße 45,
4020 Linz, Energiespar-Hotline: 0800/205 206
zum Ortstarif, infoenergiesparverbandat,
www.energiesparverband.at bzw.
Abteilung Wohnbauförderung,
Tel: 0732-7720-14143
