Schimmelbildung in Wohnräumen
Schimmelpilze sind ein fixer Bestandteil unserer mikrobiologischen Umgebung. Gesundheitliche Auswirkungen treten vor allem bei immungeschwächten Personen und Kleinkindern auf. Viele Pilzsporen sind so klein, dass sie in die Bronchien gelangen und Erkrankungen hervorrufen können.
Wie entsteht Schimmel?
Das Wachstum von Schimmelpilzen wird durch ein bestimmtes Temperaturniveau, eine bestimmte Luft- bzw. Materialfeuchtigkeit und einen entsprechenden Nährboden begünstigt. Die Beseitigung der Ursachen ist die einzige Möglichkeit, die Entstehung von Schimmelpilzen dauerhaft zu verhindern.
Ursachen der Schimmelbildung
Neben falschem Lüften sind v.a. Baumängel Hauptsursachen von Schimmelbildung.
- Mangelnde Wärmedämmung: Durch unzureichende Wärmedämmung sinkt die Innenoberfächentemperatur der Bauteile. Bei Unterschreiten der Taupunkttemperatur kommt es zur Kondensatbildung und in der Folge zum Schimmelwachstum.
- Innendämmung: Bei Innendämmung besteht besonders die Gefahr von Wärmebrücken. Durch die geringe Bauteiltemperatur erhöht sich die Gefahr von Feuchteschäden bereits bei kleinen Lücken in der Dämmung und Undichtheiten bei Verlegung der Dampfbremse.
- Baurestfeuchte: Die Verarbeitung der meisten Baustoffe (z.B. Gips, Mörtel, Beton) erfordert erhebliche Mengen Wasser. Das gebundene Wasser trocknet erst über einen längeren Zeitraum aus. Rasches Bauen verhindert das Austrocknen der Wände und Decken vor dem Bezug des Hauses. Das Trocknen des Gebäudes muss daher von den Bewohnern übernommen werden (Entfeuchtungsgeräte, erhöhte Beheizung und Lüftung).
- Wärmebrücken: Im Bereich der Wärmebrücke sinkt die Innenoberflächentemperatur der Außenbauteile stark ab, dies führt zur Kondensation der Raumluft und in der Folge zur Schimmelbildung.
- Mängel in der Bauausführung: Fehler in der Bauausführung (falsche Wahl von Materialien, Mängel in der Ausführung) sind Ursache für Wärmebrücken, aber auch für Luftundichtheiten in der Konstruktion.
- Schimmelbildung hinter Einbauten/Möbeln: Wandverkleidungen, Möbel oder Vorhänge wirken wie eine Dämmschicht vor der Wand. Die dahinterliegenden Flächen können von der Raumluft nicht erwärmt werden und kühlen aus, Kondenswasser kann sich bilden, und die Gefahr von Schimmelpilzen ist gegeben.
Tauwasserbildung an Fenstern: Während der kalten Jahreszeit tritt immer wieder Tauwasser am Rand von Fenstern auf. Passiert dies in geringen Mengen, ist dies in der Regel unproblematisch. Sind jedoch große Flächen der Scheibe ständig mit Tauwasser beschlagen, können Feuchteschäden entstehen.
Checkliste zur Vermeidung von Schimmelbildung
- An erster Stelle steht die Überprüfung der Lüftungsgewohnheiten (Querlüftung drei- bis viermal täglich, 5 bis 15 Minuten lang).
- Kontrolle der Raumlufttemperaturen. Die Differenzen innerhalb einer Wohnung sollen 4°C nicht überschreiten
- Feuchtigkeit durch Backen, Kochen, Duschen, Baden oder Waschen sofort und direkt ins Freie ableiten. Keine Verteilung der Feuchtigkeit in der Wohnung durch geöffnete Türen.
- Technische Hilfsmittel (Entlüftungseinrichtungen z.B. in Bad und Küche)
- Regelmäßige Messung der relativen Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer. 55 % relative Luftfeuchtigkeit ist als Obergrenze einzuhalten. Kommt es weiterhin zu Schimmelbildung, sollte ein Sachverständiger zu Rate gezogen werden.
- Einrichtungsgegenstände (Schränke, Vorhänge, großflächige Bilder) mit einem Mindestabstand von 5 cm zur Wand aufstellen. Möbel nicht zu eng anordnen, Raumecken möglichst freihalten.
- Verwendung diffusionsoffener Wandverkleidungen, keine oberflächenversiegelnden Tapeten und Baumaterialien verwenden.
- Wärmedämmung der Bauteile überprüfen.
- Austrocknung feuchter Bauteile vor jeder Sanierung!
- Zusätzliche Wärmedämmung immer außenseitig anbringen.
Maßnahmen zur Schimmelbekämpfung
Wenn nur der Schimmel, nicht aber die Ursache für die Entstehung beseitigt wird, kann der Befall in relativ kurzer Zeit wieder erfolgen. Da Schimmelbildung in erster Linie mit Feuchtigkeit zu tun hat, ist unbedingt die Ursache der erhöhten Feuchtigkeit zu entfernen. Dies kann durch Änderung des Nutzerverhaltens (Lüften) oder Sanierung der Baumängel (zusätzliche Wärmedämmung, Abdichtungsmaßnahmen) geschehen.
Mechanische Schimmelentfernung
Zunächst müssen die befallenen Materialien (Tapeten, Teppichböden, Putz) entfernt werden. Bei kleinflächigem Befall ist dies mit einer Drahtbürste möglich, bei stärkerem Befall muss die gesamte Putzschicht abgetragen werden. Das Mauerwerk sollte möglichst lange austrocknen bevor eine neue Putzschicht aufgetragen wird. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass nicht unnötig Pilzsporen in die Luft freigesetzt werden. Das Tragen einer Staubmaske, einer Schutzbrille sowie von Handschuhen ist empfehlenswert. Die ehemals befallenen Stellen können nach dem Austrocknen mittels "Sanierputz" neu verputzt werden.
Chemische Schimmelentfernung
Chemikalien zur Schimmelbekämpfung beinhalten häufig Verbindungen, die für den Menschen nicht unbedenklich sind. Mit nachstehenden "Hausmitteln" kann der oberflächliche Schimmel bekämpft werden:
- 5-%ige Essiglösung
- Wasser, Brennspiritus und Salicylsäure im Verhältnis 90:10:2
- 5-%ige Sodalösung (Apotheke)
Anstriche
Damit der Schimmel nicht gleich wieder kommt, verwenden Sie am besten mineralische Kalk- und Silikatfarben. Leim- oder Dispersionsfarben sowie Tapeten sollten bei Schimmelpilzrisiko gemieden werden.
