Gemeinde Antiesenhofen

"Drei Formen von erneuerbarer Energie unter einem Dach" - unter diesem Motto wurden in Antiesenhofen ein Biomasse-Heizwerk und eine Biogas-Anlage errichtet. Somit werden - rechnet man das bereits bestehende Kleinwasserkraftwerk an der Antiesen dazu - drei Arten der erneuerbaren Energie unmittelbar nebeneinander genützt.

Hintergrund

Die ungefähr 1.100 Einwohner/innen (~ 400 Haushalte) zählende Gemeinde Antiesenhofen liegt in Bezirk Ried im Innkreis an der Grenze zu Bayern zwischen den Flüssen Antiesen und Inn. In den letzten Jahren entwickelte sich Antiesenhofen von einer landwirtschaftlich geprägten Ortschaft zu einer Gemeinde mit einer ständig wachsenden Anzahl an Gewerbe- und Industriebetrieben.

Anfang der 90er Jahre interessierten sich mehrere Gemeindebürger/innen aus unterschiedlichsten Gründen für die Nutzung von erneuerbarer Energie. Zu Beginn suchte ein Sägewerksbesitzer, dessen Kleinwasserkraftwerk nicht mehr genug Energie für die Versorgung des Betriebes lieferte, einen Weg, die in seinem Betrieb anfallenden Sägenebenprodukte (Hackschnitzel, Sägespäne, etc.) sinnvoll zu nutzen. Ungefähr zeitgleich musste der zwanzig Jahre alte Ölkessel des Schul- und Kindergartenzentrums der Gemeinde erneuert werden. Zusätzlich litten die Landwirte der Region unter den Auswirkungen eines 1990 übers Land gezogenen Jahrhundertsturms. Sie fanden keine Absatzmöglichkeit für die großen Mengen Brennholz, die aufgrund der Sturmschäden angefallen waren. So fand sich eine Gruppe engagierte Bürger/innen, unterstützt durch den damaligen Bürgermeister, die sich zur Nahwärme Antiesenhofen GmbH zusammenschlossen und sich das Ziel setzten, regionale erneuerbare Energiequellen zu nutzten.

Technische Aspekte

Das Biomasse-Nahwärmenetz wurde 1993 in Betrieb genommen. Der Heizkessel, der auf den Namen EDUARD getauft wurde, wird mit Hackschnitzel befeuert und hat eine Heizleistung von 1,5 MW. Durch das Nahwärmenetz beziehen derzeit neben 60 Einfamilienhäusern auch 3 Mehrfamilienwohnanlagen und 14 Gewerbe- und Industriebetriebe umweltfreundliche Wärme aus Biomasse. Weiters sind mit dem Kindergarten, der Schule, dem Gemeindeamt, dem Kulturheim und dem Gemeindebauhof  auch einige kommunale Einrichtungen an die Nahwärmeversorgung angeschlossen. Seit 1999 wird im Sommer die Versorgung des Nahwärmenetzes (Warmwasser) von einer mit Deponiegas betriebenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage übernommen, so kann ein Teillastbetrieb des Heizkessels außerhalb der Heizperiode vermieden werden. Der 8-Zylinder-Gasmotor hat eine Wärmeleistung von 340 kW und eine elektrische Leistung von 190 kW. Der produzierte Strom wird in das Netz des regionalen Energieversorgers eingespeist. Das Deponiegas wird mit Hilfe einer 3,8 km langen Gasleitung von einer Mülldeponie zum Gasmotor transportiert. Seit 2002 ist auch eine Biogasanlage in Betrieb in der hauptsächlich Gülle und Silagen aus landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung umgesetzt werden. Das produzierte Biogas wird - wie das Deponiegas - in der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage eingesetzt. Das Verhältnis Biogas - Deponiegas beträgt ungefähr 2:1. 

Nicht zu unterschätzen ist die wirtschaftliche Bedeutung dieser Biomasse-Anlagen. Für drei Landwirte aus der Umgebung konnten Teilzeitsjobs im Bereich Betreuung der Heizzentrale, Wärmeverkauf und Verwaltung des Nahwärmenetzes geschaffen werden. Seit der Gründung der Nahwärme Antiesenhofen GmbH wurden ungefähr 3 Mio. € in die Biomasse-Anlagen und das Nahwärmenetz investiert. Ungefähr die Hälfte dieses Investitionsbetrages kam ortsansässigen Firmen zu Gute. Auch bei den restlichen Investitionen wurde darauf geachtet, Aufträge möglichst an oberösterreichische Firmen zu vergeben. Für Landwirte der Umgebung bietet der Verkauf von Brennholz an die Nahwärme Antiesenhofen GmbH ein sicheres Zusatzeinkommen. 

Neben den oben beschriebenen Großprojekten sind in der Gemeinde Antiesenhofen auch kleinere Anlagen zur Nutzung von erneuerbarer Energie in Betrieb. Erwähnenswert sind hier vor allem die beiden Kleinwasserkraftwerke Hinternberg und Bruckmühle mit einer elektrischen Leistung von 200 bzw. 120 kW. Einige Biomasse-Zentralheiungen wurden in Gebäuden, die zu weit außerhalb liegen, um ans Nahwärmenetz angeschlossen zu werden, installiert. Weiters wird auch in Antiesenhofen Sonnenenergie durch  thermische Sonnenkollektoren genutzt.  

Die Gemeine Antiesenhofen unterstützt mit zahlreichen Aktivitäten wie Beratungen und Gemeindeförderungen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. 

Insgesamt werden derzeit in Antiesenhofen 70% des Heizwärmebedarfs und 65% des verbrauchten Stroms durch erneuerbare Energie gedeckt.

Kontakt

Nahwärme Antiesenhofen GmbH
GF Georg Jodlbauer
Eggerdingerstraße 29
4980 Antiesenhofen
Tel.: 07759-5202
e-mail: nahwaermesurfeuat

Gemeinde Antiesenhofen
4980 Antiesenhofen NB
Tel.: 07759-5255
e-mail: gemeindeantiesenhofen.ooe.gvat

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