Passivhaus und Minimalenergiehaus

Passivhäuser sind Gebäude, die auch ohne herkömmliches Heizsystem in unseren Breiten ein behagliches Raumklima bieten können. Im Wesentlichen reicht die "passive" Nutzung der Sonneneinstrahlung durch die Fenster - daher der Name - und die Wärmeabgabe von Geräten und Bewohnern aus, um das Gebäude während der Heizsaison auf einer angenehmen Innentemperatur zu halten. Der Jahresheizwärmebedarf liegt laut den oberösterreichischen gesetzlichen Regelungen bei Passivhäusern unter 10 kWh/m²a. Passivhäuser brauchen damit nur rund 1/5 der Heizenergie von Neubauten nach der derzeitigen Bauordnung. In der Regel deckt eine kleine Heizanlage den (geringen) Wärmebedarf.

Durch die Ausstattung des Passivhauses mit stromsparenden Haushaltsgeräten kann eine weitere Reduktion des Energieverbrauchs erzielt werden.


Wodurch wird ein Gebäude zum Passivhaus?

Der Bau eines Passivhauses erfordert eine exakte und umfassende Planung. Passivhäuser haben eine besonders gute Wärmedämmung, vermeiden Wärmebrücken und haben eine hohe Luftdichtheit. Eine optimale Nutzung der Sonnenenergie erfolgt durch Südorientierung des Hauses sowie spezielle Fenster mit großer Dämmwirkung und hoch lichtdurchlässiger Verglasung. Der verbleibende Restenergiebedarf wird dann im Idealfall durch erneuerbare Energieträger (z.B. thermische Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Holzpelletsofen) gedeckt. Die Mehrkosten für die Errichtung eines Passivhauses werden im Idealfall durch die erhöhte Wohnbauförderung abgedeckt.

 

Geringste Wärmeverluste

  •  Dämmung

Die Wärmedämmwerte (U-Werte) der Bauteile liegen unter 0,12 W/m²K. Eine hochgedämmte Außenwand ist Grundvoraussetzung für ein Passivhaus. Mauersteine mit 20 bis 30 cm Wärmedämmung oder Holzriegelkonstuktionen mit 30 bis 40 cm Dämmung sind üblich. Die Wärmedämmung der obersten Geschoßdecke beträgt bis zu einem halben Meter. Und auch die Wärmeverluste nach unten (Keller) werden mit hohen Dämmstärken von 20 bis 30 cm klein gehalten.

Bei den Fenstern wird auf einen guten Wärmedämmwert von Verglasung und Rahmen geachtet. Wärmeschutzverglasung (U-Wert < 0,6 W/m²K) und supergedämmte Fensterrahmen mit reduziertem Verlust am Glasrand sind erforderlich. Der Gesamt-U-Wert (Glas und Rahmen) sollte möglichst unter 0,8 W/m²K liegen. Wichtig bei der Auswahl der Fenster ist auch, wieviel Sonnenenergie durch die Fenster ins Haus kommt. Der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) sollte möglichst über 50 % liegen.

  • Luftdichtheit

Die Dämmung eines Gebäudes ist nur dann wirksam, wenn die Gebäudehülle auch luftdicht ist. Die Gebäudedichtheit wird durch eine Luftdichtheitsmessung nachgewiesen. Der so gemessene Luftwechsel bezogen auf das Raumluftvolumen (n50) muss beim Passivhaus 0,6 h-1 pro Stunde unterschreiten.

  • Wärmebrücken

Besonderes Augenmerk muss bei einem Passivhaus auf eine wärmebrückenfreie Konstruktion gelegt werden.

Passive Sonnenenergienutzung

Durch eine Ausrichtung der Fenster nach Süden kann die passive Sonnenenergienutzung optimiert werden. Große Glasflächen in andere Himmelsrichtungen sollten vermieden werden. Ein Fensteranteil an der Südfassade von 30 bis 50 % bringt einen Beitrag zur Raumheizung von nahezu 40 %. Vor allem bei großen Fensterflächen muss aber wegen Überhitzungsgefahr im Sommer eine Abschattung vorgesehen werden.

 

Effektiv Lüften 

Passivhäuser werden über eine Komfortlüftung automatisch mit Frischluft versorgt. Die Komfortlüftung garantiert eine dauerhaft gute Raumluftqualität bei gleichzeitiger Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Eine zusätzliche Vorerwärmung der Frischluft über einen Erdwärmetauscher (Sole-Erdwärmetauscher) ist möglich und bei Passivhäusern meist notwendig. Damit wird der Nachheizbedarf weiter gesenkt und die Vereisungsgefahr im Wärmetauscher ausgeschlossen.

 

Etwas Heizen

Auch wenn der Heizenergiebedarf sehr gering ist, muss fallweise trotzdem geheizt werden. Bei einem Passivhaus ohne Heizung würde bei extremen Wetterbedingungen die Innenraumtemperatur auf etwa 16° C fallen. Aus Umweltschutzgründen sollte die erforderliche Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energieträgern erfolgen, z.B. mit einem kleinen Holz-Pelletsofen. Eine elektrische Direktheizung ist nicht erlaubt. 

 

Warmwasser bereiten

Sonnenkollektoren übernehmen im Sommer die Warmwasserbereitung, im Winter kann die Erwärmung mit dem Haustechniksystem erfolgen.

 

Minimalenergiehaus

Das Minimalenergiehaus ist ein Gebäude mit einem besonders niedrigem Energiebedarf.

Beim Minimalenergiehaus wird entweder eine NEZ von 10kWh/m² und Jahr erreicht oder der Gesamtenergieeffizienzfaktor des geplanten Eigenheims darf dabei nachweislich nicht höher sein als der Gesamtenergieeffizienzfaktor eines Eigenheims gleicher Geometrie mit einer Nutzheiz-Energiekennzahl (NEZ) von 10 kWh/m²a, dessen Haustechniksystem der Referenzausstattung der Richtlinie 6 für den betreffenden Energieträger entspricht.

Konkret heißt das, dass ein Haus mit einer etwas geringeren Dämmung als ein klassisches Passivhaus, aber mit einer entsprechenden thermischen Solaranlage oder PV-Anlage  oder einer verbesserten Haustechnik ebenso einen gleichniedrigen  Gesamtenergieeffizienzfaktor erreichen kann.

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