Tipps zum Energiesparen in Büros
Energie wird in Büros vor allem für Strom und Raumwärme verbraucht. Zwar wird mehr Wärmeenergie benötigt, da diese aber billiger als Strom ist, verursacht sie nur etwa 35 % der Gesamtkosten. Es lohnt sich daher besonders, den Stromverbrauch genauer unter die Lupe zu nehmen - hier liegen Ihre Einsparpotenziale!

Stromverbrauch in Büros pro m2 und Jahr:
Schlechter Wert: | > 80 kWh |
Durchschnittlich: | 50 kWh |
Guter Wert: | < 25 kWh |
Bis zu 70 % Einsparungen sind möglich!
Wenn Sie bei einem Energiekennzahlen-Vergleich feststellen, dass die Energiewerte für den jeweiligen Bereich zu hoch sind, dann ist es zunächst wichtig, Schwachstellen zu erkennen, um dann gezielt und mit möglichst geringem Aufwand den größten Einspareffekt zu erzielen. Im Folgenden daher ein Überblick über die wichtigsten Energiespar-Maßnahmen.
1. Wartung, Benutzerverhalten
- Schaffung von Verantwortlichkeiten (Aufgabenbereiche festlegen)
- Regelmäßige Wartung von energietechnischen Anlagen (Heizung, Lüftung etc.), sowie regelmäßige Reinigung von Heizkörpern und Beleuchtungskörpern
- Benutzerverhalten: Richtiges Lüften und Bedienen der Heizungsanlage, Beleuchtung und E-Geräte
- Schulungen, Arbeitskreise, Exkursionen etc. helfen mit, Mitarbeiter/innen und Benutzer/innen zu motivieren.
2. Beleuchtung und Elektrogeräte
Gerade in öffentlichen Gebäuden muss die Beleuchtung vielfältigen Anforderungen gerecht werden. So soll einerseits Tageslicht weitgehend genutzt werden, Sonnen- und Blendschutz gewährleistet und die Arbeitsplätze bildschirmgerecht beleuchtet sein. Neben neuen innovativen Beleuchtungssystemen gibt es auch bei bestehenden Gebäuden ohne großen Investitionsaufwand vielfache Verbesserungsmöglichkeiten, wie z.B.:
- beim Neuankauf auf energiesparende Elektrogeräte und Lampen achten
- zonenweise, nach Arbeitsbereichen gegliederte Regelung
- Lichtsensoren und Bewegungsmelder
- Bus-Installationssystem für neue Installationen
Tipps für den energiesparenden Betrieb von Elektrogeräten:
- bei großen Stromverbrauchern Lastmanagement und Blindstromkompensation überlegen
- genaue Information über Stromtarife
- Vermeiden von stand-by Betrieb: abschaltbare Verteilersteckdosen, Ausschalten des Gerätehauptschalters und Einbau von Zeitschaltuhren für nicht ständig benötigte Geräte.
Auch der Einbau eines Energiemanagementsystems zur automatisierten Regelung und Steuerung der haustechnischen Anlagen kann gerade für öffentliche Gebäude sehr interessant sein.
Stand-by:
- Da viele Geräte auch dann Strom verbrauchen, wenn sie im Stand-by-Modus laufen, ist das Abschalten von Bürogeräten bei Nicht-Gebrauch die einfachste und billigste Stromsparmethode
- Ein vollkommen vom Netz getrenntes Gerät verbraucht sicher keinen Strom
- Ab einer Arbeitsunterbrechung von 10 Minuten zahlt es sich aus, Monitore abzuschalten
- Schaltbare Steckdosenleisten trennen PC, Drucker und Fax vollständig vom Netz und verhindern so einen weiteren Stromverbrauch
- Aktivieren Sie das Powermanagement der PC's, da dieser auch bei Nicht-Nutzung Strom verbraucht. Funktionen, die im Leerlaufbetrieb nicht benötigt werden, können so abgeschaltet werden
- Nutzen Sie die Stromspartaste bei Kopierern, das bringt bis zu 15 % Stromersparnis
Anteil einzelner Geräte am Stromverbrauch im Durchschnittsbüro:

Aus ist nicht gleich aus:
Wer Computer, Monitore, Drucker und Kopierer ständig im Stand-by-Modus laufen lässt, muss dafür bezahlen. Jedes Watt Stand-by Leistung im Dauerbetrieb kostet jährlich etwa 1,30 Euro. In Summe kommt da einiges zusammen: in einem typisch ausgestatteten Büro (10 PC-Arbeitsplätze, 4 Tintenstrahldrucker, 1 Laserdrucker, 1 Kopiergerät) können an die 2.700 kWh/Jahr bzw. ca. 400 €/Jahr durch konsequentes Abschalten eingespart werden!
Gerät | Normalbetrieb | Stand-by |
Computer | 50 | 25 |
LCD-Monitor | 22 | 5 |
CRT-Monitor | 80 | 15 |
Fax | 55 | 12 |
Tintenstrahldrucker | 30 | 6 |
Laserdrucker | 350 | 50 |
Kopierer | 800 | 100 |
Notebook | 18 | 6 |
Beleuchtung
- Die Beleuchtung kann in Büros bis zu 50 % des Stromverbrauchs ausmachen
- Nebenräume und Gänge müssen nicht durchgehend beleuchtet werden
- Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren helfen, Energie und Kosten zu sparen
- Effiziente Beleuchtungssysteme sind heute in attraktiven Formen & Farben erhältlich
- Bei der Neuanschaffung von Beleuchtung steigern elektronische Vorschaltgeräte die Energie-Effizienz.
- Tageslichtnutzung und helle Farben für Decken und Böden erhöhen die Behaglichkeit und senken die Energiekosten
- Leuchtreklamen und Außenbeleuchtung müssen nicht die ganze Zeit brennen
Energieberatung hilft Kosten sparen!

Beim Neukauf:
- Achten Sie beim Neukauf von Bürogeräten auf den Stromverbrauch und geben Sie energiesparenden Geräten den Vorzug!
- Jedes neue Gerät sollte mit einem Aus-Schalter ausgestattet sein, der leicht zugänglich ist und das Gerät auch tatsächlich vom Netz trennt.
- Die Verbrauchswerte von sparsamen Geräten betragen oft nur 10 % des Verbrauches von herkömmlichen Geräten.
- Die guten Geräte sind mit Umwelt- und Energiesparzeichen ausgezeichnet, informieren Sie sich!
- Suchhilfe für sparsame Geräte: www.topten.info
- Label für Bildschirme, Drucker: www.tcodevelopment.com
- Label für umweltfreundliche Produkte: www.umweltzeichen.at
Vergleich Durchschnittsgerät und effizientes Neugerät:

3. Heizung und Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung
Zunächst sollte die Wahl des Energieträgers genau überlegt werden, da diese Entscheidung nicht nur auf das Budget große Auswirkungen hat, sondern auch eine wirksame Maßnahme der Regionalförderung und Vorbildfunktion der Gemeinde darstellen kann. Im Zuge einer Heizungsumstellung bzw. eines Neubaus sollte daher der Einsatz erneuerbarer Energieträger (z.B. Biomasse, Sonnenenergie) überlegt werden, gerade für öffentliche Gebäude bietet sich zum Beispiel der Aufbau eines Nahwärmenetzes an.
In diesem Zusammenhang ist auch auf § 39i des Oö. Bautechnikgesetzes (Novelle 1998) hinzuweisen, der den Vorrang für Solaranlagen und andere erneuerbare Energieträger für Raumwärme und Warmwasser in öffentlichen Gebäuden vorsieht.
Lüftungs- und Klimaanlagen werden beim Energiesparen oft vergessen. Da sich viele Anlagen schlecht steuern und regeln lassen, wird hier oft Energie verschwendet. Eine Lüftungsanlage im Büro reicht vom Abluftventilator im WC bis zur Klimatisierung des Konferenzraumes. Vor Anschaffung einer Klimaanlage sollte gründlich überlegt werden, ob diese wirklich notwendig ist. Der Anteil der Klimaanlage am Stromverbrauch kann bis zu 40 % betragen.
Energiesparmaßnahmen:
- Richtige Wahl der Temperatur und Luftmengen von Lüftungs- und Klimaanlagen
- Regelmäßige Wartungen
- Wärmeeinträge ins und im Gebäude vermindern (Sonnenschutz für Fenster, unnötige Beleuchtung abschalten)
- Lüftungs- und Klimaanlagen nur bei Bedarf einschalten
- Nutzung der Abwärme durch Wärmerückgewinnung und Wärmepumpe

- Auf richtiges Lüften (Stoßlüften: Fenster ganz auf und nicht nur in Kippstellung) mit Lüftungszeiten bis zu 10 Minuten achten
- Thermostatventile einsetzen und zur raumweisen Regelung der Temperatur nutzen
- Wämequellen erkennen (interne: Menschen, Bürogeräte; externe: Sonneneinstrahlung) und entsprechende Regelung der Heizung vornehmen
- Die Heizkörper sollten frei stehen und nicht mit Möbeln zugestellt sein, um eine optimale Wärmeabgabe an den Raum zu garantieren
- Das Anpassen der Raumtemperatur (z.B.: Senken um 1°C bedeutet etwa 5 % Energieeinsparung) hilft Energiekosten zu senken
- Beim Neubau oder der Sanierung des Bürogebäudes ist der Einbau einer Biomasseanlage zu überlegen
Warmwasser spielt im Büro in der Regel eine eher untergeordnete Rolle. Beim Neubau oder bei der Sanierung eines Bürogebäudes sollte auf jeden Fall die Installation einer Solaranlage überlegt werden. Zusätzlich ist auf gute Isolierung der Wärmeverteilleitungen und auf dezentrale Warmwasserbereitung zu achten.
Verbesserungsmaßnahmen bei bestehenden Heizanlagen:
- Regelmäßige Wartung, z.B. Wartungsvertrag abschließen
- Regelung überprüfen, z.B. Temperaturabsenkung in nicht benutzten Räumen
- Einbau von Thermostatventilen
Tipps für eine energiesparende Warmwasserbereitung:
- Im Sommer möglichst getrennt von der Heizanlage
- Entnahmestellen möglichst zentral anordnen
- Boiler und Leitungen ausreichend dämmen
- Zirkulationspumpe: Bedarf prüfen, an Zeitschaltuhr koppeln
4. Fenster und Türen
Rund 20 % der Heizenergie gehen bei einem durchschnittlichen Gebäude durch die Fenster verloren, gute Fenster können diese Energieverluste stark reduzieren und durch Nutzung der einfallenden Sonnenenergie einen Beitrag zur Raumheizung leisten. Bei alten Fenstern wird auf Grund der häufig auftretenden Zugerscheinungen jedenfalls eine Sanierung empfohlen. Als sinnvolle und kostengünstige Erstmaßnahme erweist sich meist der Einbau oder Austausch der Dichtungen sowie die exakte Einstellung der Beschläge.
Wichtige Kenngröße:
Der U-Wert (in W/m²K) - früher k-Wert genannt - gibt die Wärmedämmung der Verglasung an und sollte möglichst niedrig sein (derzeitiger Standard: 0,9 W/m²K).
Auch auf einen fachgerechten Einbau von Fenster und Türen (Vermeidung von Wärmebrücken, luftdichte Anschlüsse) und wärmegedämmte Rollladenkästen sollte geachtet werden. Im Eingangsbereich hilft ein Pufferraum (Windfang, unbeheizter Bereich), Wärmeverluste zu vermindern.
5. Gebäudehülle
Die Außenwände sind ein wichtiger Ansatzpunkt für Energiesparmaßnahmen. Immerhin gehen bei einem zwei-stöckigen Gebäude ca. 20 % der Energie durch die Wand und 10 % durch das Dach (oberste Geschoßdecke) verloren. Grundsätzlich sollten Dämmmaßnahmen möglichst vor einer Erneuerung der Heizungsanlage gesetzt werden und Energiekennzahlen als Vorgabe bei Ausschreibungen im Zuge von Sanierungsmaßnahmen oder Neubau dienen.
Erster Schritt: oberste Geschoßdecke dämmen
Beginnen Sie am Besten mit der Dämmung der obersten Geschoßdecke, da in diesem Bereich mit relativ geringem Kosteneinsatz hohe Einsparpotenziale erzielt werden können. Gemäß heutigem Dämmstandard werden 20-30 cm Dämmstoff empfohlen. Bei Dachausbauten ist besonders auf die Gebäudedichtheit zu achten.
Ein Beispiel zeigt, wie rasch sich in diesem Bereich Investitionen amortisieren:
oberste Geschoßdecke | U-Wert (= Wärmedurchgangskoeffizient, k-Wert) | jährliche Wärmeverluste |
|---|---|---|
200 m², nicht isoliert | 1,5 W/m²K | 25.900 kWh |
200 m², mit 25 cm | 0,15 W/m²K | 2.600 kWh |
Dämmmaterial isoliert |
Diese Einsparung von 23.300 kWh kann mit einer Investition von ca. 1.800 Euro bei einer Amortisationszeit von nur 1-1,5 Jahren erreicht werden (gerechnet: nicht begehbarer Dachboden, Heizöl extra leicht mit 0,54 Euro/l).
Zweiter Schritt: Außenwand dämmen
Falls eine Fassadenerneuerung notwendig ist, empfiehlt es sich zunächst, die Außenwand zu isolieren. Im Altbau wird meist ein Vollwärmeschutz von 10-16 cm Stärke (technisch möglich bis zu 34 cm) aufgebracht. Eine Innendämmung sollte wegen der Gefahr von Bauschäden nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Besonders wichtig ist eine exakte Bauausführung (Vermeiden von Wärmebrücken).
6. Straßenbeleuchtung
Im Bereich der Straßenbeleuchtung hängt der Energieverbrauch sehr wesentlich von der Nutzung (Fußgängerbereich, öffentlicher Verkehrsbereich) ab. Einsparungen lassen sich unter anderem durch den Einsatz energiesparender Lampen, durch eine verbesserte Regelung oder durch eine generelle Absenkung der Beleuchtungsstärke (z.B. Nachtabsenkung in Zeiten schwachen Verkehrs) durch ein vorgeschaltetes Lichtregelgerät erzielen.
Ein Beispiel:
Durch die neue Lichtregelung des Stadtplatzes Wels wurde eine Energieeinsparung von 33 % (rund 25.500 öS Kosteneinsparung pro Jahr) erzielt. Die Amortisationszeit betrug 3,7 Jahre. Nähere Informationen darüber erhalten Sie beim E-Werk Wels.
7. Öffentlicher Verkehr
Für größere Gemeinden/Städte empfiehlt sich die Erstellung eines Verkehrskonzeptes zur gezielten Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und das Setzen verkehrsberuhigender Maßnahmen. Bei einer Neuanschaffung des Fuhrparkes sollten sparsame Fahrzeuge bevorzugt und die spätere Auslastung berücksichtigt werden.
Überblick über Energiespar-Maßnahmen
1. Organisatorische Maßnahmen (ohne Investitionskosten):
In diese Gruppe fallen Maßnahmen, die ohne Investitionen durchführbar sind, wie zB:
- Energiekennzahlen in Ausschreibungen für Neubauten und Sanierungen vorgeben
- Schulung des Personals, Ernennung eines Energiebeauftragten
- Verbesserung des Benutzerverhaltens, z.B. durch Informationsveranstaltungen
- regelmäßige Verbrauchsaufzeichnung (Energiebuchhaltung)
- Tarifumstellung
- regelmäßige Wartung der Anlagen (z.B. Entkalken, Brennerservice, Service bei verschiedenen Elektrogeräten)
Durch solche Maßnahmen können Sie in gemeindeeigenen Gebäuden rund 10 - 20 % Energie einsparen.
2. Kurzfristige Verbesserungsmaßnahmen mit niedrigen Investitionskosten:
Oft gibt es einfache technische Maßnahmen, die bereits erhebliche Einsparungen bringen, wie z.B.:
- Ausstattung der Heizkörper mit Thermostatventilen
- Neue Einstellung und Verbesserung der Regelungsanlage
- Zeitschaltuhren für Zirkulationspumpen und andere große Elektrogeräte
- Getrennte Schaltung der Beleuchtung, Hauptschalter für verschiedene Bereiche
- Warmwassertemperatur nicht über 60 °C einstellen
Dämmmaßnahmen:
- Überprüfung und Verbesserung von Fenster- und Türdichtungen
- Dämmung der obersten Geschoßdecke, des Turnsaals
- Einfache bauliche Verbesserungen, wie eine zweite Eingangstüre zur Schaffung eines Windfangs/Pufferraums
- Sanierung von Wärmebrücken (z.B. im Bereich der Heizkörpernischen)
- Wärmedämmung von Verteilleitungen (Heizung und Warmwasser)
3. Neubau und Gesamtsanierung:
- Umfangreiche Sanierung der Gebäudehülle: Fensteraustausch, Erneuerung der Heizungsanlage
- Neubau: Niedrigenergiebauweise, Nutzung erneuerbarer Energieträger
Abhängig von der Situation in Ihrer Gemeinde empfiehlt sich beim Bauen & Sanieren folgendes stufenweises Vorgehen:
Finanzierung
Gerade für die Sanierung von gemeindeeigenen Bauten bietet sich als neues Finanzierungsmodell, das sog. "Contracting", an. Beim Contracting werden Energiesparmaßnahmen von beauftragten Unternehmen ("Contracting-Unternehmen") durchgeführt. Finanziert werden die Maßnahmen aus der Energieeinsparung, es kommt zu keiner zusätzlichen Belastung des Gemeindebudgets. Nach Ende der Vertragslaufzeit kommen die niedrigeren Energiekosten dann zur Gänze der Gemeinde zu Gute. Contracting-Projekte werden auch vom Land Oberösterreich im Rahmen des ECIP - Energie Contracting Impuls Programmes gefördert. Contracting Projekte wurden z.B. in Marchtrenk, Altmünster, Freistadt, Wels, Ebensee und Vöcklabruck realisiert.
