Das Mühlviertel, als nördlichste Region Oberösterreichs, ist dabei, sich als "Energieviertel" einen Namen zu machen. Viele erfolgreiche Projekte und Initiativen sind Schritte auf dem Weg zur Vorzeigeregion in Sachen Energie-Effizienz und erneuerbare Energieträger. Das Mühlviertel kann damit Vorbild geben, nicht nur für andere Regionen in Österreich sondern in ganz Europa.

 

> Regionale Energiekonzepte
> Rohrbach als Vorreiter
> Freistadt: Energiekonzept und Hackschnitzel-Heizwerk
> Innovative Finanzierungsmodelle
> Niedrigenergie-Mehrfamilienhaus in Unterweitersdorf
> Energie aus Holz, Wind und Sonne für Schenkenfelden
> Tannenhaus - der andere Kindergarten in Julbach
> Kinderfreundehaus in Klaffer
> Ausblick

Regionale Energiekonzepte

Da die genaue Kenntnis der Energiesituation die Grundlage aller weiteren Einsparmaßnahmen darstellt, vertraute man im Mühlviertel schon vor Jahren auf regionale Energiekonzepte als Planungs- und Entscheidungsgrundlage. So wurden regionalen Energiekonzepte, mit Unterstützung des O.Ö. Energiesparverbandes, bereits für den Bezirk Freistadt und Rohrbach und die Stadtgemeinde Perg erstellt. Es blieb aber nicht nur bei der Erarbeitung eines Konzeptes, sondern es wird seither intensiv - in verschiedenen Arbeitskreisen unter Einbindung der Bevölkerung - an der Umsetzung gearbeitet.

Rohrbach als Vorreiter

Der erste Bezirk Österreichs für den ein regionales Energiekonzept erstellt wurde, war Rohrbach. Ausgehend von einer Analyse des Ist-Zustandes wurden die Energieziele definiert und die zu ihrer Erreichung notwendigen Maßnahmen - mit Unterstützung des O.Ö. Energiesparverbandes - ausgearbeitet. Für jede Gemeinde wurde ein eigener Maßnahmenkatalog erarbeitet. Die Umsetzung des Energiekonzeptes ist derzeit voll im Gang, eine Reihe von Maßnahmen wurden bereits gesetzt. Zu einem wichtigen ersten Schritt zählte dabei z.B. die Ernennung von Gemeinde-Energiebeauftragten, die nun als erste Anlaufstelle für die Bevölkerung in Energiefragen, wertvolle Informationsarbeit leisten.

Freistadt: Energiekonzept und Hackschnitzel-Heizwerk

Auch im Bezirk Freistadt setzte man auf ein Energiekonzept als Grundlage auf dem Weg zum "Musterbezirk". Viele verschiedene Einzelprojekte wurden seither verwirklicht. So wurde zum Beispiel 1998 ein Hackschnitzel-Heizwerk mit einer Leistung von 2,5 MW errichtet. Hauptabnehmer der Biowärme ist die Stadtgemeinde Freistadt, Volks- und Hauptschulen sowie das Hallenbad und Wohngebäude werden seither mit umweltfreundlicher Wärme versorgt. Neben den Vorteilen für die Umwelt, verbleiben durch den heimischen Brennstoff Hackschnitzel, nun auch die Jahresenergiekosten in der Region.

Innovative Finanzierungsmodelle

Bei der Finanzierung von Energiesparmaßnahmen ist man im Mühlviertel bereit, neue Wege zu gehen. 1999 wurde in der Stadt Freistadt ein Österreich weites Pilotprojekt zur Finanzierung von Energiesparmaßnahmen durchgeführt. Gemeinsam mit der Firma ABB und der Kommunalkredit AG sowie mit Unterstützung des O.Ö. Energiesparverbandes und Förderung durch das Energie-Contracting-Impuls-Programm OÖ. wurden in einem Projekt die Sanierung von 7 öffentlichen Objekten durchgeführt ? und dies alles ohne zusätzliche Belastung des Budgets der Stadtgemeinde. 5,5 Mio öS Investition in Energiesparmaßnahmen wurden vom "Contractor" vorfinanziert und aus den jährlichen Energieeinsparungen von 24%, das sind rund 900.000 öS refinanziert. Nach Ablauf der Vertragszeit kommen die Einsparungen dann zur Gänze der Stadt zu Gute.

Niedrigenergie-Mehrfamilienhaus in Unterweitersdorf

Dass energiesparende Bauweise auch im öffentlichen Wohnbau möglich ist, zeigt das Beispiel der Gemeinde Unterweitersdorf. Hier wurde ein vorbildliches Niedrigenergie-Mehrfamilienhaus mit 24 Wohnungen errichtet. Neben der energiesparenden Bauweise ist vor allem die 72 m² große Solaranlage mit 3.000 l Wasserspeicher zur solaren Warmwasserbereitung und eine Regenwassernutzanlage zu erwähnen. Ein interaktives Informationsdisplay vor Ort informiert die Bevölkerung über erneuerbare Energieträger sowie den konkreten Ertrag der Anlage. Weitere Maßnahmen zur Bewußtseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel ein Energielehrpfad, sind in Vorbereitung.  

Energie aus Holz, Wind und Sonne für Schenkenfelden

Schenkenfelden setzt auf saubere Energie aus Holz, Wind und Sonne! Bereits 1997 haben sich Land- und Forstwirte der umweltbewussten Gemeinde zusammengeschlossen, um ein Biomasse-Heizwerk zu errichten. Eine Genossenschaft wurde gegründet und im Herbst 98 wurde das Werk mit 2 MW Heizleistung bereits in Betrieb genommen. 45 Gebäude werden derzeit mit Wärme versorgt, in der Endausbaustufe sollen es 100 sein. Wegweisend ist dabei auch die Technologie ? erstmals wurde im Mühlviertel ein "Wanderboden" eingebaut, der automatisch den Brennstoff hydraulisch zur Verbrennung befördert.
Im Herbst 98 wurde ein weiteres Energieprojekt realisiert ? die Windkraftanlage Schenkenfelden! Zwei Windräder (je 600 kW) erzeugen seither so viel umweltfreundlichen Strom, dass sich der Ort theoretisch selbst zur Gänze mit elektrischer Energie versorgen könnte.

Tannenhaus - der andere Kindergarten in Julbach

In Julbach wird derzeit als Pilotprojekt mit Signalwirkung für die ganze Region ein "Muster-Kindergarten" errichtet. Initiiert vom Verein "Julbach aktiv" soll der "Tannenhaus-Kindergarten" energiesparendes Bauen und die Verwendung heimischer Rohstoffe und erneuerbarer Energieträger in vorbildlicher Weise verbinden. Aus diesem Grund wird auch ? wie der Name schon sagt ? heimisches Tannenholz für den Riegelbau verwendet. Die Wärmedämmung erfolgt mit heimischem Flachs, Schafwolle und Zellulose. Für umweltfreundliche Wärme sorgen eine Hackschnitzelheizung und natürlich ist auch eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung vorgesehen. Auch eine Photovoltaik-Anlage zur umweltverträglichen Stromproduktion wird realisiert vorgesehen.
Das Tannenhaus wird aber nicht nur ein gewöhnlicher Kindergarten sein, sondern auch als Drehscheibe für Information und Erfahrungsaustausch umweltbewusster Gemeindebürger/innen dienen und so in Zukunft eine Reihe ähnlicher "Musterbauten" anregen.

Kinderfreundehaus in Klaffer

Unter dem Motto "Energie und Natur" arbeitet man in Klaffer an der Sanierung und dem Ausbau des Kinderfreundehauses. Neben vorbildlicher Wärmedämmung und umweltfreundlichem Heizen mit Hackschnitzel, darf natürlich auch eine Solaranlage nicht fehlen. Schautafeln und Demonstrationsmodelle sollen den nachhaltigen Umgang mit Energie bereits der Jugend vermitteln.

Ausblick

Die angeführten Projekte sind nur einige Beispiele für die Dynamik im Energie- und Umweltbereich im Mühlviertel. Die regionale Umsetzung der oberösterreichischen energiepolitischen Ziele geschieht hier in vielen Einzelschritten durch zahlreiche engagierte Bürger/innen, Initiativen, Vereinen und Gemeindepolitiker. Der O.Ö. Energiesparverband unterstützt dabei die Regionen und gemeinsam wird es gelingen, noch viele Projekte zu realisieren.

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